· 

Federweißer? Bei mir nicht!

Sollte ich je einen Weinladen aufmachen, dann schreib ich das quer über die Eingangstür. Das hatte ich mir mal vorgenommen. Aber nicht gemacht. Jaja, Eier müsste man haben …

 

Natürlich habe ich Gründe für meine Ablehnung. Und ich versichere Euch, sie gehen über bloßes Ressentiment hinaus. Die gute Nachricht zuerst: Ja, es gibt sie, die Winzer, die guten Federweißen machen. Auch wenn man sie landes-, vielleicht europaweit an einer Hand abzählen kann. Wer von Ihnen probiert hat, der kostet vor allem die Ahnung von Wein, der er einmal werden soll.

 

Aber mit der Tradition, die tatsächlich fast so alt ist wie der Weinbau selbst und die fortlebt im gutseigenen Buschenschank vor Ort, hat das aktuell wieder grassierende Massenphänomen rein gar nichts zu tun. Selbst Händler, die sich auf die hohe Qualität ihres Weinsortiments etwas zugutehalten, pinnen es in großen Lettern an Ihre Fenster. "Frischer Federweißer eingetroffen. Weingut XY" - damit zumindest der Eindruck entsteht, es stünde eine Handschrift dahinter.

 

Dabei ist das der Sache nach schon nicht möglich. Der „Wein“ verlässt das „Weingut“, noch ehe sich das zweifelhafte Gebräu auch nur annäherungsweise mit Wein vergleichen lässt. Eine schmeckbare Arbeit des Winzers gibt es nicht. Und der Konsument tut gut daran, den Federweißen zu süffeln, solange er noch süß ist. Durchgegoren will das nun wirklich kein Mensch mehr trinken. Zumal der Moment der „Weinwerdung“ meist auch den Ablauf der Mindesthaltbarkeit markiert. Und der Zwiebelkuchen die Scheidung vom gottgegebenen Partner einreicht, wenn keine Süße mehr seinem rustikalen Geschmack die Stirn bietet.

 

Es sind daher nicht von ungefähr Nebenerwerbswinzer oder gleich industriell arbeitende Betriebe, deren Ambitionen die Erzeugung von Spitzenweinen erst gar nicht umfasst und die keinen Ruf haben, den es zu verlieren gäbe. Ganz abgesehen davon, dass es ökonomisch vollkommener Unsinn wäre, die wertvollen Moste zu 1,50 oder 2,00 Euro (oder weniger) den Liter zu verschleudern, wenn die Qualität der fertigen Weine ein Vielfaches rechtfertigen würde.

 

In der Logik der (zumeist) industriellen Erzeugung liegt außerdem, angesichts geringer Erlöse die Produktionskosten so niedrig wie möglich zu halten. So umfasst das Rebsortenportfolio so klangvolle Namen wie Ortega (welche Züchter Hans Breider sogar einem Philosophen gewidmet hat!), Siegerrebe oder auch Solaris. Züchtungen, die vor allem hohe Erträge, großflächige Lagentoleranz und eine enorme Zuckerleistung versprechen. Große Weine entstehen aus denen im Leben keine. Wer einmal von gärenden Riesling-Mosten ernst zu nehmender Winzer probiert hat, weiß, was ich meine …